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Outdoor-Tag in Parks und Wäldern - Lernen auf unsicherem Terrain

Wer am 22. September durch den Treptower Park, den Plänterwald oder die Köllnische Heide lief, könnte auf eine Gruppe von Erstsemester-Studierenden der HSAP aus dem Studiengang „Kindheitspädagogik“ (KP 26) getroffen sein. Er wäre dann zufälliger Zeuge eines Outdoor-Seminartages geworden.

Das Geschehen in sozialpädagogischen Einrichtungen ist niemals vollständig vorauszusehen. Es gehört deshalb zu den Prinzipien einer Kindheitspädagogik, ein kritisches Bewusstsein gegenüber allzu institutionsbezogenen Arrangements zu pflegen. Institutionen dienen der (scheinbaren) Übersichtlichkeit; das Leben selbst ist jedoch prinzipiell unübersichtlich. Der Outdoor-Tag bietet Gelegenheiten, diesem Paradigma nachzugehen. Die Seminargruppe bewegt sich dabei einen ganzen Tag in einem bisher meist unbekannten Terrain und hat die Aufgabe, sich auf die prinzipiell unvorhersehbare Umgebung einzulassen, um nach eigener Einschätzung an geeigneten Stellen und in geeigneten Situationen bestimmte Aufgaben zu lösen. So geht es um Orientierungsmöglichkeiten im Wald (ohne GPS-Unterstützung), Nutzung von topografischen Gegebenheiten für Bewegungsspiele, naturwissenschaftliche Erkundungen oder um Kommunikations- und Wahrnehmungsübungen unter Beachtung der natürlichen Umgebung. Einen besonderen Stellenwert hatte an diesem Datum auch die Erkundung von besonderen Wegmarken wie dem sowjetischen Ehrenmal, der Archenhold-Sternwarte oder des Projekts Spreepark.

Im Rahmen des Outdoor-Tages wird einerseits planvoll gearbeitet, denn die Studierenden bereiten ihre Beiträge vor. Andererseits schaffen die Umgebung, die Wettersituation und die oft originellen Beiträge der TeilnehmerInnen zahlreiche Momente von Spontaneität – und damit eine Analogie zum pädagogischen Alltag, der von Kindheitspädagoginnen ebenfalls eine Form offener Planung erfordert.

Nicht erst die Waldkindergärten, die es inzwischen in allen Regionen des Landes gibt, haben den Wert des Waldes als natürliche Lernlandschaft erkannt. Den Reichtum eines Waldes kann kein noch so sorgfältig ausgestatteter, künstlicher Binnenraum ersetzen. Gleichzeitig weist die Natur den Menschen auf sich selbst zurück. Nicht umsonst wird im „Club der Toten Dichter“ jede Sitzung des Clubs mit einem Spruch Henry David Thoreaus eröffnet: „Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte...“.

Der Outdoor-Tag fand im Modul „Einführung in das wissenschaftliche Denken und Arbeiten“ statt, in dem Prof. Ludger Pesch lehrt.



Foto: L. Pesch

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