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Erinnerungsort Ihnestrasse 22 – Wissenschaft & Unrecht

Mit der Studierendengruppe des berufsintegrierenden BA-Studiengangs Heilpädagogik besucht Prof.in Dr.in Martina Loos am Donnerstag, 27. August 2026, den Erinnerungsort Ihnestrasse 22 in Berlin-Dahlem, dem heutigen Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften der Freien Universität Berlin. Im Modul „Empirische Sozialforschung“ beschäftigten sich die Studierenden mit Forschungsethik und dieser besondere Ort, informiert über eine Wissenschaft, die während der NS-Zeit von Entgrenzung, Rassismus und Entmenschlichung geprägt war. Während des Nationalsozialismus erhielten Forscher_innen weitreichenden Zugriff auf Menschen in Konzentrationslagern und sogenannten „Heilanstalten“. Die Betroffenen waren dabei der Forschung ohne ihre Zustimmung ausgesetzt und hatten keine Möglichkeit zu widersprechen.

Das Gebäude in der Ihnestraße ist seit fast 100 Jahren ein Ort wissenschaftlicher Forschung: Von 1927 bis 1945 befand sich hier das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Die Ausstellung auf den Fluren der vier Etagen und auf dem Außengelände erzählt Geschichten von Wissenschaftler*innen und von Betroffenen dieser Forschung. Der Titel eines Ausstellungsplatzes Behinderung erforschen – Behinderung konstruieren regte die Heilpädagogikstudierenden sehr zum Nachdenken an. 

Der Wissenschaftshistoriker Julian Schellong führte unsere Gruppe fachkundig durch die Ausstellung und stand den Studierenden mit seiner ausgewiesenen Expertise für Fragen und vertiefende Gespräche zur Verfügung. Er wies darauf hin, dass lange über die Geschichte dieses Ortes geschwiegen wurde und erst Proteste Studierender in den 80er Jahren dazu führten, dass zunächst zumindest eine Gedenktafel (1987-1988) am Eingang des Gebäudes an die Eugenikverbrechen erinnerte. Schon 2014 forderten Studierende eine Dauerausstellung, die Ende 2024 eröffnet wurde. 

Die Ausstellung ist auch ohne eine Führung an Wochentagen während der Öffnungszeiten des Institutes kostenlos zu besichtigen. Auf der Webseite und in der Ausstellung in Papierform gibt es einen Ausstellungskatalog in einfacher Sprache und alle Hörtext sind ebenfalls in einfacher Sprache formuliert.

 

Foto: Wikipedia / KI-opimiert

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