Transprofessionalität als reflexive Praxisdimension. Digitale Schulentwicklung im Spannungsfeld von Politik(en) und Medienpädagogik
Entscheidungen über digitale Lernplattformen, Datenverarbeitung und technische Infrastrukturen reichen weit über die Auswahl geeigneter Systeme hinaus, denn mit ihnen werden zugleich pädagogische Gestaltungsspielräume, institutionelle Zuständigkeiten und die Geltung unterschiedlicher Wissensformen ausgehandelt. Wie sich diese Aushandlungen unter den Bedingungen bildungspolitischer Steuerung und organisationaler Verantwortung reflexiv bearbeiten lassen, untersuchen Christin Tellisch und Alexander C. Lang in ihrem Beitrag zum Sammelband Politiken der Digitalisierung und Medienpädagogik (herausgegeben von C. Helbig und S. Hofhues), der am 27. November 2026 im transcript Verlag als Open-Access-Publikation erscheinen soll.
Ausgehend von der Unterscheidung zwischen Politik, Politiken und dem Politischen verstehen Tellisch und Lang Transprofessionalität als reflexive Praxis, in der professionelle Zuständigkeitsgrenzen selbst zum Gegenstand institutioneller Aushandlung werden. Im Mittelpunkt stehen damit neben der Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen die Fragen, wer unter welchen Bedingungen als zuständig gilt, welchen Wissensformen epistemische Autorität zugeschrieben wird und wie die Reichweite digitaler Entscheidungen bestimmt wird.
Als heuristischer Bezugspunkt dienen die Entscheidungskontexte freier Schulträger, in denen pädagogische Profilbildung, staatliche Anerkennungsbindung, Ressourcenabhängigkeit und organisationale Selbststeuerung eng ineinandergreifen.
Vor diesem Hintergrund untersuchen Tellisch und Lang, wie verfestigte Zuständigkeitsordnungen, bildungspolitische Implementierungslogiken und infrastrukturelle Vorentscheidungen transprofessionelle Aushandlungen prägen und welche Bedingungen reflexive Praxis dennoch ermöglichen. Als zentrale Ermöglichungsbedingungen bestimmen sie institutionell bearbeitbaren Dissens, epistemische Öffnung und technopolitische Reflexivität.
An diese Bedingungen schließt eine kritisch-reflexive medienpädagogische Perspektive an, die digitale Arrangements über ihre technische Funktionalität hinaus auch in ihren Macht-, Daten- und Ordnungswirkungen in den Blick nimmt. Entscheidungen über digitale Infrastrukturen lassen sich damit als pädagogisch, organisational und politisch folgenreiche Festlegungen verstehen, deren normative Voraussetzungen und institutionelle Konsequenzen sich fortlaufend reflektieren lassen. Diese Reflexion schließt die eigenen Begriffe, Deutungsmuster und normativen Setzungen medienpädagogischer Forschung ein.
