Studentische Forschungsprojekte

Bachelorarbeiten an der HSAP

In den letzten Jahren haben Dozierende der Hochschule für angewandte Pädagogik Berlin sehr viele Bachelorarbeiten mit spannenden Fragestellungen und aufschlussreichen Ergebnissen gelesen. Dabei kam der Gedanke auf, dass nachfolgende Studierende sowie die Praxis sehr davon profitieren würde einen Einblick in die Ergebnisse zu erhalten.

Daher finden Sie hier in Form von Interviews erste Einblicke in einzelne Bachelorarbeiten aus den letzten Jahren.

Erfahrungen von Saskia Martini

Welche Fragestellung / Thema hatte Ihre Bachelorarbeit?

Das Thema „ Wie Covid-19 die Soziale Arbeit in Studium und Beruf beeinflusst ist gleichzeitig auch der Titel der Arbeit. In der Arbeit habe ich mich wissenschaftlich mit der Frage „Welche psychosozialen Auswirkungen hat die Covid-19-Pandemie auf dual Studierende der Sozialen Arbeit an der Hochschule für angewandte Pädagogik und welche Veränderungen bringt die Pandemie im Berufsfeld der Studierenden mit sich?“ auseinandergesetzt.

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Das Thema Soziale Arbeit und Corona und auch, wie es Studierenden, speziell dual Studierenden in der ersten Zeit der Pandemie ging, war medial sehr wenig präsent und auch wissenschaftliche Ergebnisse gab es zum Zeitpunkt der Entstehung der Bachelorarbeit nicht. Zum anderen hatte ich ein persönliches Interesse, mich näher mit diesem Thema zu beschäftigen, weil mich als Studierende das Thema auch selbst betroffen hat.

Wie sind Sie bei der Beantwortung der Fragestellung vorgegangen?

Zuerst habe ich mir einen Überblick über bestehende Literatur und Studien verschafft und für mich relevante Punkte in den Bereichen Beruf und Studium herausgearbeitet (Zum Beispiel Lehre, Arbeitsbedingungen, Stress, psychische Belastung usw.). Danach habe ich überlegt, mit welcher Forschungsmethode ich bestmöglich Daten zu dem Thema und den verschiedenen Punkten sammeln kann und mich für einen qualitativen Zugang mit Narrativen Interviews entschieden. Nachdem ich das Thema theoretisch und forschend erarbeitet hatte, konnte ich meine eigenen Forschungsergebnisse mit den schon bestehenden vergleichen und Schlüsse für die Beantwortung der Forschungsfrage ziehen.

Was waren die zentralen Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Die Studierenden zeigten in Alltag, Studium und Beruf ein erhöhtes Belastungs- und Stressempfinden durch die damals beschlossenen Eindämmungsmaßnahmen. Die Belastung äußerte sich in Form von Zukunftsängsten, Einsamkeit, einem Gefühl sozialer Isoliertheit und der unerwarteten Umstrukturierung des Alltags. Die damals andauernde Belastung kann sich zu chronischem Stress mit gesundheitsschädlichen Folgen entwickeln. Bewältigungsstrategien wurden gefunden, um besser mit der Situation umzugehen (z.B. körperliche Aktivität, soziale Kontakte halten, positive Neubewertung und die Akzeptanz unkontrollierbarer Situationen). Die Online-Gestützte Lehre im Studium führte zu einem erheblichen Mehraufwand. Folgen waren u.a. ein höher empfundenes Stresslevel, Überforderung mit dem Aufgabenpensum, Hilflosigkeit, sowie Nervenzusammenbrüche. Einsamkeit trotz Online-Vorlesung und das Fehlen analoger Gespräche und Treffen waren ebenfalls Folgen. Im Beruf waren die Studierenden z.T. einem erhöhten Ansteckungsrisiko und mehr Arbeitszeit durch Fachkräftemangel ausgesetzt, oder konnten ihren Beruf gar nicht ausüben.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht in der Bachelorarbeitsphase?

Die Datenerhebung und Auswertung. Es war toll, die Sichtweisen und Erfahrungen der Studierenden zu hören und das transkribierte Material danach auszuwerten. Außerdem ist es ein schönes Gefühl, wenn man den eigenen Fortschritt sieht und sich das ganze Chaos allmählich zusammensetzt und einen Sinn ergibt.

Was würden Sie anderen Studierenden empfehlen, die nun mit der Bachelorarbeit starten?

Ich habe gemerkt, dass es sich sehr lohnt, früh anzufangen. Ich habe bereits im Januar angefangen, Abgabe war der 01. Dezember. Dadurch hatte ich trotz Arbeit, Studium und Bachelorarbeit am Wochenende meist freie Zeit und konnte diese auch zum Abschalten nutzen. Es lohnt sich, sich einen Plan für die gesamte Zeit der Bachelorphase zu erstellen, wann was zu tun ist. Dann weiß man immer, was der nächste Schritt ist und wird nicht zusätzlich gestresst.

Was haben Sie als größte Herausforderung wahrgenommen?

Für mich war die größte Herausforderung Veränderungen im Ablauf zu akzeptieren und zu überlegen, wie es weitergeht. Es ist völlig normal, dass nicht immer alles nach Plan läuft, dass man manchmal verzweifelt ist und irgendwie nicht mehr so richtig weiß, wie es weitergehen soll. In einer solchen Phase hilft es ungemein, sich mit den Betreuer*innen zu treffen, das Problem darzustellen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Oftmals erweitern „außenstehende“, objektive Sichtweisen den eigenen Horizont.

An welchen Orten haben Sie an der Bachelorarbeit gearbeitet? (z.B. nur zuhause/Bibliothek)

Ich konnte am besten allein und in Stille zuhause arbeiten, aber ab und zu bin ich auch in die Bibliothek der TU gegangen. Gemeinsam mit vielen Menschen um sich herum zu arbeiten, hat mich viel motiviert und ich war konzentrierter. Für jeden ist der beste Ort zum Arbeiten und Schreiben ein anderer. Ich kann nur empfehlen, verschiedene Settings auszuprobieren. Das bringt auch Abwechslung in den Alltag.

 

Erfahrungen von Anke Redlitz-Daus

Welche Fragestellung / Thema hatte Ihre Bachelorarbeit?

Meine Fragestellung lautete: Welche Relevanz haben Milieuerfahrungen in Bezug auf das professionelle Handeln im Regionalen Sozialdienst? Ich habe mich mit dem Thema Milieukompetenz in der Sozialarbeit beschäftigt. Mich hat interessiert, ob Erfahrungen mit unterschiedlichen sozialen Milieus die Sozialarbeit beeinflusst und wenn, wie sich dieser Einfluss in der Praxis der Sozialarbeit auswirkt.

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

In der Praxis des dualen Studiums habe ich erfahren, wie unterschiedlich das Klientel in der Kinder-und Jugendhilfe ist. Ich war gefordert. mich auf sehr verschiedene, individuelle Persönlichkeiten einzustellen, um deren Probleme zu verstehen und entsprechende Hilfe zu leisten. Dabei ist mir aufgefallen, dass es schwierig wurde, komplexe Problemstrukturen von Familien zu durchschauen, wenn ich keinen Zugang zu den Menschen finden konnte. Das ist häufig dann passiert, wenn sie mir fremd waren, d.h. ich deren Lebensweise, Kultur, Herkunft oder Sprache nicht kannte.

 Wie sind Sie bei der Beantwortung der Fragestellung vorgegangen?

Ich habe zunächst nach aktuellen Forschungsarbeiten zu diesem Thema recherchiert und mich mit Theorien und Methoden der Sozialarbeit befasst, um entsprechende Aussagen zu meiner Fragestellung zu finden. Ich habe mich nicht nur theoretisch mit dem Thema auseinander gesetzt, sondern habe qualitativ forschend Interviews mit Expert*innen geführt, die mir helfen sollten, die Fragestellung aus der Praxis zu betrachten und zu beantworten.

Was waren die zentralen Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Das Anforderungsprofil des Berufes konnte durch die Auswertung der Interviews erfasst werden und biografische Muster und Mechanismen im konkreten Handlungsfeld der Sozialarbeit abbilden. Die Relevanz von Milieuerfahrungen konnte an Hand konkreter Aussagen der Expert*innen belegt und theoretisch als Wirkmechanismus in den Konzepten und Modellen von Professionalität in der Sozialarbeit bestätigt werden. Der Sinn und Bedarf von Milieukompetenz im Arbeitsprozess konnte erkannt werden. Darüber hinaus zeigte sich ein weiteres Phänomen: die Motivation zur sozialen Arbeit in Abhängigkeit zur persönlichen Biographie.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht in der Bachelorarbeitsphase?

Am meisten haben mir die Schreibphasen gefallen, in denen ich einen sogenannten flow verspürt habe. Es hat mir Spaß gemacht, wenn ich meine Erkenntnisse so formulieren konnte, wie ich es ausdrücken wollte.

 Was würden Sie anderen Studierenden empfehlen, die nun mit der Bachelorarbeit starten?

Ich denke, das Zeitmanagement steht an erster Stelle. Also den Gedanken: „ ich habe noch ganz viel Zeit“, sollte jeder ignorieren. Es ergeben sich nur Vorteile, wenn man gut in der Zeit liegt. Ich habe im Zuge meiner Bachelorarbeit ein Lerntagebuch geführt bezogen auf mein Thema. Ich würde es empfehlen, um Gedanken und Geistesblitze festzuhalten, um sie gegebenenfalls in die eigene Thesis einzuarbeiten.

Was haben Sie als größte Herausforderung wahrgenommen?

Die Balance zwischen Wissenschaftlichkeit und eigenen Erkenntnissen oder Gedanken einzuhalten, hat mich herausgefordert. Manchmal verlor ich das Gefühl dafür, welche Aspekte sind noch wichtig für das Thema und welche „schießen“ schon über das Thema hinaus. Das waren Arbeitsphasen, in denen ich gehemmt war weiter zu arbeiten und diese Situationen waren schwierig auszuhalten, da die Zeit weiter lief. Ich musste den Mut finden mir diese Phasen zu gewähren und dabei hat mich meine Betreuerin sehr unterstützt, indem sie mir entsprechende Literatur empfahl, die Erfahrungsberichte enthalten, die diese Momente beschreiben und damit eine sehr entlastende Wirkung hatten.

Gab es Überraschungen – inhaltlich oder in Bezug auf den Prozess?

Eine Überraschung für mich war der Unterschied zwischen der Vorstellung meines Arbeitsprozesses und der Realität bzw. der Umsetzung meines Plans. Außerdem  hat mich die Auswertung der Interviews überrascht in  Bezug auf die Vielfalt der Aussagen und der Interpretationsmöglichkeiten.

 An welchen Orten haben Sie an der Bachelorarbeit gearbeitet?

Ich hätte gerne mehr in Bibliotheken gearbeitet, weil es einen Abstand zum privaten Umfeld ermöglicht. Coronabedingt gab es diese Möglichkeit nicht wie gewünscht. Ich habe deshalb zu Hause, im Auto oder am Arbeitsplatz gearbeitet.

Erfahrungen von Fabio Sannino

Welche Fragestellung / Thema hatte Ihre Bachelorarbeit?

Meine Bachelorarbeit befasste sich mit der Frage, inwiefern soziale Unterstützungsnetzwerke eine positive Auswirkung auf das psychische Wohlbefinden von schwulen und bisexuellen gewaltbetroffenen Männern haben.

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Die psychische Lage von queeren Menschen ist , trotz der Zunahme an Sichtbarkeit und Anerkennung in der politischen Debatte, schlechter als in der Mehrheitsgesellschaft. Nicht die sexuelle Orientierung / geschlechtliche Identität an sich, sondern die Diskriminierungs-und Gewalterfahrungen sind die Ursachen von psychischen Auffälligkeiten. Daraufhin habe ich mich gefragt, wie die Situation in Berlin, die als Regenbogenhauptstadt gilt, ist.

Ich habe mich aufgrund von persönlicher Identifizierung und Interesse auf schwule und bisexuelle Männer fokussiert. Statistiken zeigen, dass gewaltbetroffene schwule und bisexuelle Männer sich immer mehr trauen, Gewaltfälle zu melden. Woran liegt das? Haben Unterstützungsnetzwerke einen Beitrag geleistet, damit das passiert? Gibt es einen Zusammenhang zwischen gruppenspezifischen Netzwerken und Stressreduktion?

Wie sind Sie bei der Beantwortung der Fragestellung vorgegangen?

Anhand von Stresstheoriemodellen und Resilienzförderungstheorien habe ich einen semistrukturierten Leitfaden erstellt. Ich habe dann 5 Fachmenschen der LSBTIQ*Opferhilfe kontaktiert und interviewt. Mein Ziel war anhand der Berufserfahrung von Akteuren der Berliner Opferhilfe, Erkenntnisse über die Gesundheitsförderung von schwulen und bisexuellen Männern zu gewinnen.

Was waren die zentralen Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Die wichtigste Erkenntnis war die Bestätigung, dass soziale Unterstützungsnetzwerke einen positiven Einfluss auf die Stressreduktion von gewaltbetroffenen schwulen und bisexuellen Männern haben. Soziale Akteure haben die Aufgabe, eine Brücke zwischen queeren Menschen und Gesellschaft aufzubauen.

Eine Einbeziehung von queeren Menschen in die Gesellschaft wird ermöglicht, indem Informationen, Kompetenzen und emotionale Unterstützung vermittelt werden. Das schafft ein Gefühl von Anerkennung und Teilhabe, was queere Menschen stärkt.

Darüber hinaus ist Diskriminierung selten eindimensional, von daher sollen Angebote intersektional gestalten werden. Rassismus, Klassismus, Antiislamismus, Antisemitismus, Ableismus und andere Formen von Diskriminierung sollten immer einbezogen werden.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht in der Bachelorarbeitsphase?

Die Interviews vorzubereiten und durchzuführen hat mir am meisten Spaß gemacht. Trotz der Pandemie habe ich es geschafft, fast alle Interviews persönlich durchzuführen.

Was würden Sie anderen Studierenden empfehlen, die nun mit der Bachelorarbeit starten? 

Ich würde immer empfehlen, sich ein Thema auszusuchen, dass vertraut ist und zu dem es eine Identifikation gibt.  Wichtig ist, einen Zeitplan zu erstellen und viel Geduld und Flexibilität zu bringen.

Was haben Sie als größte Herausforderung wahrgenommen?

Die Pandemie war meine größte Herausforderung, da ich befürchtet habe, überhaupt keine Interviewpartner*innen zu finden. Zum Glück haben sich fast alle Befragten bereit erklärt, ein Interview zu machen.

Gab es Überraschungen – inhaltlich oder in Bezug auf den Prozess?

Ich habe zum Schluss des Schreibens festgestellt, dass viele schwule und bisexuelle Männer, trotz der vielen Angebote in Berlin, nicht erreicht werden.

Selbst die verschiedenen Studien über die Lage von queeren Menschen erreichen eher jüngere Menschen, ohne Migrationshintergrund, ohne Behinderungen, mit guten Einkommen bzw. guter Bildung, die in mittleren/größeren Städten leben.

Die Herausforderung von Maßnahmen bzw. Studien ist, die verschiedenen Lebensweisen von schwulen und bisexuellen Menschen zu erreichen bzw. zu betrachten.

An welchen Orten haben Sie an der Bachelorarbeit gearbeitet? (z.B. nur zuhause/Bibliothek)

Aufgrund der Pandemie habe ich zuhause meine Bachelorarbeit geschrieben.

 

Erfahrungen von Johanna Pumberger

Welche Fragestellung / Thema hatte Ihre Bachelorarbeit?

In meiner Bachelorarbeit untersuchte ich einen möglichen Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Medien und der Emotionsregulation bei 3- bis 6-Jährigen. Das Augenmerk legte ich auf die Bildschirmmedien, da in der Wissenschaft diskutiert wird, dass diese, im Gegensatz zu digitalen Medien ohne Bildschirm, erhöhte negative Effekte auf kognitive und emotionale Zustände nach sich ziehen können.

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Digitale Medien gewinnen in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Sie sind wichtig für die Kommunikation, Bildung und  Unterhaltung. Diese Thematik ist bei der Arbeit mit Kindern und auch in meiner Rolle als Mutter allgegenwärtig. In einem vorherigen Semester habe ich daher im Rahmen einer Hausarbeit eine Umfrage zum digitalen Nutzungsverhalten von Kleinkindern in meiner Praxiseinrichtung durchgeführt.

Es kommt mir persönlich so vor, als ob der Einzug der digitalen Medien ins Kinderzimmer von der einen Seite der Elternschaft, Pädagogen und Forschern willkommen geheißen wird, von den anderen aber sehr kritisch gesehen wird. In der Wissenschaft  (z.B. Maras et al., 2015; Lissak, 2018; Nightingale et al., 2017) und in der Arbeit mit den Eltern stellt sich hier die Frage, ob die vermehrte Nutzung der digitalen Medien im Kleinkindalter einen Einfluss auf ihre Gesundheit hat. Hier schlug sich die Brücke zu einem zweiten Thema, mit welchem ich mich seit Beginn des Studiums befasste: die emotionale Kompetenz. In der frühen Entwicklungsphase von Kleinkindern zählt die Emotionsregulation als ein zentraler Baustein der emotionalen Kompetenzentwicklung. Diese wiederum hat mannigfaltige Auswirkungen auf das restliche Leben. Obwohl der Zusammenhang auf den ersten Blick offensichtlich erscheint, ist die Studienlage zu den Auswirkungen der digitalen Medien auf die emotionalen Kompetenzen noch spärlich, insbesondere im Kindergartenalter (vgl. Przybyslki & Weinstein, 2017).

Dem zugrundeliegend untersuchte ich in einer quantitativen Querschnittsstudie einerseits das Mediennutzungsverhalten bei Kleinkindern im Alter von 3 bis 6 Jahren. Andererseits wertete ich die Emotionsregulation dieser Kinder durch die Erhebung eines validierten Fragebogens aus. Zuletzt analysierte ich den möglichen Einfluss des Nutzungsverhaltens von digitalen Medien auf die Emotionsregulation.

Wie sind Sie bei der Beantwortung der Fragestellung vorgegangen?

Nach einer ausführlichen Literaturrecherche habe ich zwei Schwerpunkte definiert: die digitale Mediennutzung und die Emotionsregulation. Zu Anfang habe ich mich mit dem Thema der digitalen Mediennutzung im Kindesalter befasst. Hierfür recherchierte ich aktuelle Studien zur Mediennutzung sowie Risiken beim Medienkonsum. Ebenso beleuchtete ich das Konzept der Medienkompetenz und die Chancen der Mediennutzung. In einem nächsten Schritt widmete ich mich dem zweiten Schwerpunkt der Arbeit, der Entwicklung der emotionalen Kompetenz mit Fokus auf die Emotionsregulation im Kindesalter.

Mit den obigen zwei Säulen als Basis habe ich 265 Eltern aus Kindergärten des Trägers INA.KINDERGARRTEN eingeladen, an einer Befragung zur Mediennutzung ihrer Kinder und ihren Fähigkeiten der Emotionskontrolle teilzunehmen. Die Eltern hatten zwei Wochen Zeit die Fragebögen zu beantworten. Den Fragebogen zur Nutzung der digitalen Medien entwickelte ich selbst. Für die Erhebung der Emotionskontrolle habe ich einen bereits validierten Fragebogen verwendet, den FEEL-KJ (Eltern-Kurzversion des Fragebogens zur Erhebung der Emotionsregulation bei Kindern und Jugendlichen ) (Greuel et al., 2018), der zur freien Verfügung für Forschungsprojekte steht.

Nach der Auswertung der Fragebögen interpretierte ich in einem letzten Schritt die Ergebnisse und stellte sie den Erkenntnissen der Literatur gegenüber.

Was waren die zentralen Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Die im Rahmen meiner Bachelorarbeit durchgeführte Studie zeigte einen möglichen Zusammenhang zwischen der Nutzungsdauer und den regulativen emotionalen Kompetenzen. In der Gruppe der 3- bis 4-Jährigen korrelierte eine erhöhte Nutzungsdauer mit weniger adäquater Verwendung von regulativen Strategien. In der Gruppe der 5- bis 6-Jährigen zeigten die Auswertungen allerdings nur teilweise die gleichen Ergebnisse.

Unter der Verwendung von Spielen und Apps zeigte sich eine erhöhte Nutzungsdauer. Die erhöhte Nutzungsdauer für Spiele und Apps kann darauf hinweisen, dass diese Art von digitaler Mediennutzung schwieriger zu kontrollieren ist (vgl. MPFS, 2017b) und sich schneller initiales Suchtverhalten zeigt als beispielsweise bei Filmen. Die vermehrte Nutzung von Spielen und Apps korrelierte aber tendenziell nicht mit abnehmenden Werten der regulativen Strategien. Das Bildungsniveau zeigte einen Zusammenhang zur Nutzungszeit der Medien. Während Kinder aus Haushalten mit niedrigeren Bildungsniveaus ca. 5 Stunden wöchentlich Bildschirmmedien konsumierten, schauten Kinder aus Akademiker-Haushalten hingegen nur 3 Stunden wöchentlich.

Die Unterschiede der Ergebnisse des FEEL-KJ im Hinblick auf das Geschlecht der Kinder waren sichtbar. Die Jungen wiesen mehr defizitäre Emotionsregulationsstrategien auf als die Mädchen.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht in der Bachelorarbeitsphase?

Die Schreibphase war eine besondere und aufregende Zeit. Ich fand es sehr bereichernd, mir die Zeit nehmen zu können um in ein selbst gewähltes Thema so tief eintauchen zu können. Das Recherchieren der aktuellen Studien und mich hierdurch immer mehr belesen zu können, hat mir viel Spaß gemacht. Ebenso fand ich es spannend, mir neues technisches Wissen anzueignen wie beispielsweise die Erstellung der Diagramme und Abbildungen.

Was würden Sie anderen Studierenden empfehlen, die nun mit der Bachelorarbeit starten?

Mir hat es sehr geholfen ein Thema zu wählen, was für mich persönlich und privat von Bedeutung ist und welches in mir wirkliche Neugier erweckt. Ich denke, dies kann hilfreich sein um sich zu motivieren und am Ball zu bleiben. Ebenso empfehle ich sich einen Zeitplan zu erstellen und an diesem so gut es geht festzuhalten, um dann nicht am Ende vor einem zu großem Zeitdruck zu stehen.

Was haben Sie als größte Herausforderung wahrgenommen?

Mit dem Start meiner Bachelorphase startete auch leider die Pandemie. Glücklicherweise habe ich die Befragung der Eltern knapp vor der Schließung der Kindertagesstätten vorgenommen und konnte so mit den erhobenen Daten weiterarbeiten. Dennoch waren alle Umstände, die der erste Lockdown mit sich brachte, eine große Herausforderung für mich (wie auch für viele andere). Da ich zwei Kinder habe, konnte ich zunächst für zwei Monate nicht an der Arbeit weiterschreiben und hatte so eine große Pause in der Schreibphase, in die ich mich dann allmählich wieder einfinden musste.

Gab es Überraschungen – inhaltlich oder in Bezug auf den Prozess?

Ich hatte einen noch eindeutigeren Zusammenhang zwischen der Mediennutzungszeit und den regulativen Kompetenzen erwartet. Entgegen meinen Erwartungen zeigte sich in einer der Rubriken, in der Gruppe der 5- bis 6- Jährigen, keine Korrelation.

Ich war positiv überrascht, dass die maximale tägliche Nutzungsdauer des Fernsehens entgegen meinen Erwartungen gering ausfiel. Hier gaben die Eltern für die 3- bis 4-jährigen Kindern eine tägliche durchschnittliche Nutzungsdauer von 26 Minuten und 34 Minuten für die 5- bis 6-Jährigen an. Laut der miniKIM-Studie von 2014 verwendeten Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren 43 Minuten täglich den Fernseher (vgl. MPFS, 2015). Ich war der Annahme, dass sich die Bildschirmmedien seit 2014 noch fester in die tägliche Routine der Familien etabliert haben. Die geringere Nutzungsdauer in der vorliegenden Studie könnte mit dem vergleichsweise hohen Bildungsniveau der Eltern innerhalb der Stichprobe erklärt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass in 70% der Familien beide Eltern Akademiker sind.

An welchen Orten haben Sie an der Bachelorarbeit gearbeitet (z. B. nur zuhause/Bibliothek)?

Aufgrund des Lockdowns habe ich meine Arbeit im Großteil zuhause geschrieben. Wären die Bibliotheken offen gewesen, hätte ich diese öfters genutzt.

Erfahrungen von Hussein Kawssan

Welche Fragestellung / Thema hatte Ihre Bachelorarbeit?

Meine Bachelorarbeit befasste sich mit folgender These: Der bewusste und vielfältige Umgang mit Geschlechterstereotypen fördert die freie Entfaltung und Entwicklung der Kinder in der Schule. Die sozialpädagogische Arbeit in Schule kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Durch meine Praxistätigkeit in einer gebundenen Ganztagsschule sind mir bestimmte Verhaltens- und Denkweisen der Kinder begegnet, die darauf hinweisen, dass festgefahrene Geschlechterstereotype und Rollenbilder den Alltag der Kinder prägen. Ausschlaggebend war eine bestimmte Situation im Freizeitbereich. Ein Schüler der 6. Klasse spielte mit seinen Freunden Fußball. Jedoch wirkte er lustlos und teilweise frustriert. Daraufhin fragte ich ihn, ob er kein Spaß am Fußballspiel habe. Er antwortete mir folgt: „Ich mag kein Fußball, aber ich bin ein Junge, ich muss mitspielen“. Diese Aussage verdeutlichte mir, dass die Schule Alternativen schaffen muss, eine Vielfalt von Geschlecht aufzuzeigen und die freie Entfaltung der Kinder zu fördern.

Wie sind Sie bei der Beantwortung der Fragestellung vorgegangen?

Ich habe mir immer wieder meine These vor Augen gehalten und mich gefragt, was ich damit bezwecke und welches Ziel ich erreichen möchte. Die Begriffe und Themen, die in meiner These inbegriffen waren, habe ich für die Erstellung meiner Gliederung genutzt. In meinem Fall sind es die Begriffe „Geschlechterstereotype“, „ freie Entfaltung und Entwicklung der Kinder“ und „ Geschlecht in Schule“.  Die genaue Formulierung der These hat sich im Laufe meiner Arbeit immer wieder geändert. Der Gedanke blieb jedoch vom Anfang bis zum Ende bestehen“

Was waren die zentralen Ergebnisse Ihrer Arbeit?

Vor allem die Ergebnisse der empirischen Untersuchung meiner Arbeit verdeutlichen, dass die Schüler und Schülerinnen festgefahrene Geschlechterstereotype aufweisen. Hervorzuheben ist, dass diese überwiegend in der Schule entwickelt werden. Ob im Unterricht, in der Freizeit oder in der Interaktion mit den PädagogInnen, werden geschlechtstypische Verhaltens- und Denkweisen bestärkt. Die Schule muss dafür sensibilisiert werden. Geschlechterstereotype sollen nicht aufgebrochen werden. Vielmehr soll eine Vielfalt von Geschlecht in den Schulalltag etabliert werden.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht in der Bachelorarbeitsphase?

Eine Bachelorarbeit wird vor allem durch einen ständigen Austausch mit anderen geprägt. Besonders gefallen hat mir der Austausch mit meiner Erstbetreuerin Frau Prof. Dr. Christin Tellisch. Es war sehr spannend zu sehen, aus welchen Perspektiven und Sichtweisen bestimmte Aspekte betrachtet werden können. Das Diskutieren und die Einnahme einer anderen Perspektive hat mir Spaß gemacht.

Was würden Sie anderen Studierenden empfehlen, die nun mit der Bachelorarbeit starten?

Ich empfehle den Studierenden frühzeitig, mit dem Prozess ihrer Bachelorarbeit zu beginnen. Es ist besonders wichtig, einen Zeitplan zu erstellen. Auch möchte ich sagen, dass es in einer Bachelorarbeit immer Höhen und Tiefen gibt, auch Verzweiflung. Ich denke, dass man dann alles richtig macht. Das macht meiner Meinung nach eine Bachelorarbeit aus. Es ist auch sinnvoll eine Thematik zu bearbeiten, welche einem selbst betrifft oder mit der man schon in Berührung gekommen ist.

Die Auswahl der Erst- und Zweitbetreuer ist besonders wichtig. Die Studierenden sollten sich vorher erkundigen, welche Schwerpunkte die jeweiligen Betreuer setzen. Auch sollte man sich miteinander verstehen können.

Was haben Sie als größte Herausforderung wahrgenommen?

Meine größte Herausforderung war es, die eigene  Motivation aufrechtzuerhalten. Nach einiger Zeit habe ich einen Weg gefunden, mich selber zu motivieren (beispielsweise mit Belohnungen).

 Gab es Überraschungen – inhaltlich oder in Bezug auf den Prozess?

Im Laufe meiner Bachelorbeit habe ich verschiedene Sichtweisen auf bestimmte Dinge einnehmen können. Der Austausch mit meiner Erstbetreuerin hat dazu einen großen Beitrag getragen. Sowohl für den Inhalt meiner Bachelorarbeit, als auch für die eigene Persönlichkeit, war dies zum Teil sehr überraschend aber auch sehr wichtig und fördernd.

 An welchen Orten haben Sie an der Bachelorarbeit gearbeitet (z.B. nur zuhause/Bibliothek)?

Ich habe nur in meiner Wohnung an der Bachelorarbeit gearbeitet.

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